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Die Gedanken sind frei (Teil 1: Die eigene Sozialisation)

Ich wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. 3 Generationen-Haus, Opa Waldarbeiter, Oma arbeitete in der Küche bei der Bundeswehr, Frau Mama Krankenschwester und Herr Papa Industriekaufmann. Politisch gesehen ging es bei meinen Eltern sozial-demokratisch zu, bei den Großeltern war es eine nicht wirklich klar definierbare verrückte Mischung aus konservativ-national-liberal-sozial. Auf der einen Seite waren ausländische Schulkameraden/-innen gern gesehene Gäste und wurden stets mit der feinsten Auswahl heimischer Gerichte liebevoll verköstigt... meine Oma liebte junge Menschen mit krass gefärbten Haaren und desto zerrissener die Jeans, desto sympathischer etc. etc. Auf der anderen Seite wusste ich auch, dass mein Großvater z.B. eine gewisse Sympathie für diese vergangenen Epoche mit ihrer verordneten Gesinnung hatte. Und wenn so merkwürdig konnotierte Sätze in der großelterlichen Küche fielen (auch vor meinen Freunden/-innen mit ausländischen Wurzeln oder bunten Haaren), wirkten sie aus der Zeit gefallen und oft verstörend. Dennoch mochten meine bunten und immigrierten Homies meine Großeltern sehr und vielleicht konnten sie irgendeine Art humorvolle 'Toleranz/Akzeptanz bzw. sogar humorvolles Verständnis' für derartige Sätze aufbringen. Sie wussten vermutlich, dass es nicht gegen sie gerichtet war. Einer dieser Gäste sagte mal z.B. ich soll mich locker machen; meine Oma und mein Opa sind in so einer Zeit groß geworden und da hängt vieles noch in ihnen so fest drin... vielleicht sind sie auch einfach überfordert gerade, da sie sehen, dass wir gute Kumpels sind. Ich kann es nicht genau sagen. Es waren damals auf jeden Fall schon verrückte Zeiten und für mich oftmals sehr schwierig. Dennoch liebe ich meine Großeltern über alles, trotz mancher politischer Unterschiede.


Autokratische Systeme mit verordneten Meinungen


Und nun, im Jahre 2020 schießen mir Systeme vor die Augen, die auf verordnete Meinungen setzen, die aus (rassistisch-) ideologischer Sicht Minderheiten, Andersdenkende bzw. andere Kulturen' unterdrücken, zwangssterilisieren oder sogar töten. Mein Kommunenbuddy Oli hat vor ein paar Wochen z.B. diesen Artikel gepostet aus Fernost. Ich muss da natürlich auch an den (westlichen) Rassismus gegenüber People of Colour denken. Ich war selbst vor 6 Jahren in den USA und habe mir ein Bild von der dortigen Situation gemacht und musste ohnmächtig mitansehen, wer welche Arbeit ausführt, welche Menschen als 'Ressource' für den Wohlstand unserer elitären Gesellschaft benutzt werden... Ich muss an Gespräche mit meinem Freund Hussien denken und was er mir über Kurden und die aktuelle Situation berichtet. Über die Situation rumänischer Spargelfeldarbeiter oder Amazon-Mitarbeiter... Das führt hier jetzt zu weit und da wird es in Zukunft noch mehrere Blog-Einträge über strukturellen Rassismus und strukturelle Diskriminierungen geben. Im Endeffekt komme ich immer wieder zu demselben Schluss, dass auf diesem Planten ein globaler 'War against the Poor' herrscht. Ich bitte um Entschuldigung für diesen Exkurs.


Ich will heute auf etwas anderes hinaus: Ich habe es sehr genossen, dass in meinem Elternhaus oft über Politik gesprochen und diskutiert wurde. Schon in frühen Jahren wurde ich mit dem Vietnam-Krieg, strukturellen gesellschaftlichen Problemen, politischer Doppelmoral, Heuchelei, rechts/links (ich halte mittlerweile nichts mehr von diesen Begriffen), Rudi Dutschke, RAF, REP, Greenpeace, geschichtlich brisanten Attentaten (J.F.K., Martin Luther King etc.) konfrontiert (ich möchte in diesem Zusammenhang das neue Bob Dylan Album mit dem reißerischen Titel 'Murder Most Foul' sehr empfehlen). Und immer mit dem passenden Soundtrack begleitet, von den großen Liedermachern, über die Blues-Größen bis zu Hippie-/Punkrockbands und Kraftwerk. Das alles hat meine politische Haltung sehr geprägt und das spiegelt sich auch in den Texten wider. Mir war und ist neben den großen Themen Liebe, Solidarität, Frieden, Gleichheit, Gedankenfreiheit genauso immer der system-kritische Ansatz wichtig.


Mehr Meinungs- und Gedankenfreiheit


Ich beobachte insbesondere unsere medizinische Debatte der letzten Monate mit großer Sorge, z.B. wenn ich mir die Begriffe 'Gedankenfreiheit' in Kombination mit einem 'breit-möglichsten Debattenraum' vor Augen führe und wie unsere Gesellschaften weltweit gespaltet sind. Seit Anfang März habe ich jeden Tag 2-3 Stunden Recherche in meinen Arbeitstag integriert. Tagesschau, Spiegel, SZ, Focus, Taz, alternativen Medien wie den Nachdenkseiten, Heise Online, Telepolis, Konstantin Weckers Magazin 'Kultur&Rebellion', Fairtalk (eine neues Format, das ich sehr empfehlen würde) und sogar Medien die Verschwörungstheorien jeglicher Couleur widergeben standen auf dem Programm. Ich bemühe mich stets an ALLEM interessiert zu sein. Nun ist mir aufgefallen, dass diverse Sätze unserer Regierung ("...glauben sie nur den offiziellen Meldungen, die wir auch in andere Sprachen übersetzen") mich etwas zum Grübeln gebracht haben. Ich persönlich habe von Krisenanfang an einem Dr. John Ioannidis, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Prof. Hendrick Streeck und Dr. med. Wolfgang Wodarg ebenso zugehört wie einem Prof. Dr. Christian Drosten. Alle vereint ihre Expertise, Fachwissen und ihre Rolle als Spezialisten mit vielen Jahren Arbeitserfahrung. Mir hat dieses Statement seitens unserer Regierung nicht gefallen, gerade wenn man die Entwicklung in puncto Diffamierung einzelner genannter Mediziner auf 'Nicht-Regierungsseite' betrachtet. Mir bereitet diese Entwicklung größte Sorge. Das hat für mich wenig mit einem öffentlich-breiten Debattenraum und wirklich offenen (manchmal kritischen) Diskurs zu tun. Einige Minister der Bundesregierung zeigen kein Interesse, einander auf Augenhöhe zu begegnen und Gedanken und Wissen gegenseitig frei zu äußern und zu diskutieren. Es gab seitens der alternativen Medien (Bsp. Fairtalk) des Öfteren Anfragen z.B. an die Mediziner des RKI, ob sie sich mit manch oben genannten an einen runden Tisch setzen und über diverse Meinungen diskutieren möchten. Bis jetzt wurde auf diese Anfragen nicht eingegangen. Ich wünsche mir als gedankenfreiheitsliebender, offener und interessierter Mensch, dass sich das ändert. Ich möchte allen hier ans Herz legen, sich in den nächsten Wochen einmal Konstantin Weckers Version von 'Die Gedanken sind frei' anzuhören. Hier das Video mit Liedtext darunter.


Let's stay as open-minded as possible. Luv, Nilzo



Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sei fliehen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie Wissen, kein Jäger erschiessen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei.

Die Gedanken sind frei, so heisst es schon lange. Trotz Knechtschaft und Tyranei wir waren nicht alle. Und konnten im Herzen stets lachen und scherzen. Und dachten dabei: die Gedanken sind frei.


Die Gedanken sind frei, doch jetzt hab ich Bedenken. Es gibt da so Mancherlei, damit kann man sie lenken. Es gibt da so Maschen, da kann man sie waschen. Und schon 1 2 3... sind sie nicht mehr ganz so frei.


Die Gedanken sind frei, so frei wie die Presse. Und denkst du dass es anders sei, dann gibts auf die Fresse. Sie wollen dich lenken, dein Wissen und Denken. Vielleicht schon im nächsten Mai, kommt die Gedankenpolizei. Doch doch ob CI- oder NSA Sie liegen auf der Lauer. If you dont call the right way. Ja da werden sie sauer. Bring sie zum Schwanken, deine eigenen Gedanken. Und du glaubst so nebenbei: Die Gedanken wären frei.

Die Gedanken sind frei, solang sie nicht stören. Doch auf Verderb und Gedeih, weisst du wem sie gehören. Monsanto und Banken und den Öllieferanten Den Allgorhytmen von Google, besser gibt ihn die Kugel. Dann ist alles vorbei: Die Gedanken waren frei. Dann ist alles vorbei: Die Gedanken waren frei.

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Blog Tulpentöne von Nilz Hübenbecker

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